Moderne Schiffsanlegestellen in Aschach erfolgreich umgesetzt
30. Januar 2026 | Moritz Glück
Nach der Trockengüterlände in Linz im Jahr 2021, der Lände Fischamündung 2022, der Lände Wildungsmauer 2023 und der Lände Brigittenau II 2024 in Wien setzte Domarin mit den Schiffsanlegestellen „Lände Aschach“ und „Öffentliche Lände Aschach“ im Auftrag von viadonau den nächsten Meilenstein für die Donauschifffahrt. „Jeder Fluss hat seine eigene Sprache. Die Donau spricht deutlich, wenn man sie zu lesen versteht. Dieses Gespür ist entscheidend. Die erfolgreich umgesetzten Projekte entlang der Donau zeigen, dass wir dieses Gespür zuverlässig in funktionale Lösungen umsetzen“, unterstreicht der erfahrene Domarin-Bauleiter Martin Röche.
Präzisionsarbeit unter anspruchsvollen Bedingungen
Den Auftakt der Bauarbeiten bildete Ende September das Entfernen der Wasserbausteine, die in weiterer Folge zur Befestigung der Böschung dienten. Erst danach wurde mit den eigentlichen Arbeiten in der Flusssohle begonnen. Innerhalb von vier Wochen wurden mit einem 150 Tonnen schweren Bohrgerät Bohrungen mit einem Durchmesser von eineinhalb Metern durchgeführt. Diese durchdrangen die Böschungssicherung aus Wasserbausteinen und die Kiesschichten bis zum darunterliegenden Fels. „Granit und Gneis stellen hohe Anforderungen an Mensch und Maschine. Das harte Silikatgestein der Böhmischen Masse machte das „Abteufen“ der verrohrten Bohrungen besonders herausfordernd“, erläutert Röche und führt weiter aus: „Die Bohrungen reichten teilweise bis zu zwölf Meter unter die Donausohle. Bei in Summe 23 Bohrungen wird deutlich, wie umfangreich sich dieses Unterfangen gestaltete.“ Die Verfüllung der Bohrungen mit insgesamt 1.200 Tonnen Kies bildete die Grundlage für die anschließende Einvibrierung massiver Stahlrohre, sogenannter Dalben. Im November trieben die Experten von Domarin die Dalben innerhalb weniger Wochen im Zusammenspiel eines 230-Tonnen- Seilkrans und einer 708 Kilowatt leistungsstarken und elf Tonnen schweren Vibrationsramme in die Flusssohle. Die Stahlrohre mit einem Durchmesser von 1,22 Metern und einer Wandstärke von 35 Millimetern und einer Gesamtlänge von bis zu 21 Metern hatten dabei ein Stückgewicht von bis zu 22 Tonnen.
Schwerlastponton „Kilian“
Für die Arbeiten auf dem Wasser kam ein echter Koloss zum Einsatz: der Schwerlastponton „Kilian“ mit einer Tragkraft von 1.100 Tonnen. Der von den Wasserbauspezialisten eingesetzte Ponton zählt zu den leistungsstärksten seiner Art und ist speziell für anspruchsvolle Einsätze konzipiert. Mit einer Länge von 82 Metern und einer Breite von 11,40 Metern bietet er eine massive Arbeitsfläche, die auch unter extremen Belastungen Stabilität gewährleistet. Bei Bedarf wird der Ponton über vier hydraulische Stelzen im Untergrund verankert – jede einzelne ausgelegt für Lasten von bis zu 200 Tonnen. Bewegt wird die schwimmende Einheit vom Schubschiff „Domarin 12“, das den Ponton präzise in Position bringt. Ergänzt wurde das Setup durch zwei Leichter, welche die Versorgung mit 1.200 Tonnen Kies und 500 Tonnen Stahlrohren während der Baumaßnahmen direkt vom Wasser aus sicherstellten.
Wasser- und Landarbeiten perfekt koordiniert
Die Umsetzung der Schiffsanlegestellen erforderte eine enge Koordination zwischen den Arbeiten am Wasser und jenen an Land. Während Domarin die wasserbaulichen Leistungen ausführte, übernahm der Felbermayr-Infrastrukturbau ergänzende Baumaßnahmen an Land. Dazu zählten Grabungsarbeiten für die Landstromversorgung, das Herstellen von Brückenfundamenten sowie der Rückbau der alten und die Errichtung der neuen, erhöhten Anlegestelle. „Gerade bei Projekten dieser Art zeigt sich die große Stärke unseres breiten Leistungsspektrums. Wasser- und Infrastrukturbau sind ein eingespieltes Team und arbeiten Hand in Hand – nur so können Projekte dieser Größenordnung gemeistert werden“, resümiert Abteilungsleiter Ivan Topalovic vom Felbermayr-Infrastrukturbau.
Nachhaltigkeit für die Schifffahrt
Mit der Fertigstellung der neuen Liegestellen wurde die Wasserstraßeninfrastruktur erweitert und auch die Rahmenbedingungen für einen nachhaltigen Schiffsbetrieb deutlich verbessert. Ein wesentlicher Bestandteil der „Parkplätze“ für Güterschiffe ist die Ausstattung mit Landstromanlagen. Diese ermöglichen es anlegenden Schiffen, ihre Dieselgeneratoren abzuschalten und stattdessen auf eine leisere und emissionsreduzierte Energieversorgung zurückzugreifen. Die neuen Schiffsanlegestellen in Aschach stehen damit beispielhaft für moderne Wasserbauprojekte. Mit der Umsetzung zeigen das Tochterunternehmen Domarin und Felbermayr, wie sich wirtschaftliche und ökologische Anforderungen vereinen – und stärken die Donau nachhaltig als leistungsfähige Transportachse der Binnenschifffahrt.